Da das Thema Kastration ja leider ein leidiges ist, haben wir
 Wissenswertes/Wichtiges über dieses Thema zusammen getragen.

Auf den Seiten von Hund und Halter e.V. haben wir Texte gefunden,
die zum einen von Frau
Dr. Gabriele Niepel und zum anderen von
Frau
Dr. Christiane Quandt verfasst wurden.
Außerdem werden auch verschiedene
Paragraphen vom Tierschutzgesetz aufgeführt.

Die Texte dürfen wir mit freundlicher Genehmigung von
Hund und Halter e.V. auf unsere Seiten stellen.

Was uns dazu bewegt dem Thema Kastration eine gesonderte Rubrik zu widmen

D
as Thema Kastration wird nicht nur häufig äußerst emotional diskutiert, sondern in sehr vielen Fällen leider auch, ohne dass man sich hinreichend mit den diesbezüglichen Konsequenzen, Risiken und rechtlich fixierten Voraussetzungen befasst hätte. Eventuell ist Letzteres auch die Ursache dafür, dass in der Regel die Emotionen die Basis für diesbezügliche Diskussionen bilden.

Auffällig ist, dass sehr viele Hundehalter nicht etwa medizinische Gründe anführen, die sie zur Kastration ihrer Hunde veranlassten oder aber gegenwärtig über einen solchen Einriff nachdenken lassen, sondern die Motivation hierzu vielmehr in dem Wunsch nach erleichterten Haltungsbedingungen (z.B. Blutungen und das Nachstellen von Rüden während der Läufigkeit) entstammt. Die Anzahl von Tierärzten, die die Halter ihrer Patienten nicht entsprechend oder sogar falsch aufklären und Kastrationen ohne die erforderliche medizinische Indikation durchführen, muss dementsprechend relativ groß sein.

Erschreckend groß ist auch die Anzahl derer, die glauben, dass die Kastration ein Allheilmittel gegen unerwünschte Verhaltensweisen (z.B. unangemessene Aggression gegen Artgenossen) darstellt oder der Prävention gegen etliche Erkrankungen dient. Dabei sind vielen Hundehaltern die Risiken und Nebenwirkungen, die durch oder im Rahmen eines solchen Eingriffs entstehen (können), überhaupt nicht bekannt und es mangelt ihnen somit an der Möglichkeit, dass Für und Wider einer Kastration sorgfältig und insbesondere zum Wohle des Tieres gegeneinander abzuwiegen.

Etwas kurios erscheint, dass sehr viele der konsequenten Befürworter der Kastration in Kreisen anzutreffen sind, in denen die Amputation der Geschlechtsorgane schon seit Jahr und Tag routinemäßig praktiziert wird, dass Kupieren von Hunderuten und –ohren hingegen (völlig zutreffend) als Verstümmelung des Hundes betrachtet und ein striktes Verbot unterstützt wird. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass die Macht der Gewohnheit die gedankliche Auseinandersetzung überflüssig erscheinen lässt und man überhaupt nicht mehr bewusst wahrnimmt, was die Kastration tatsächlich bedeutet.

Schon seit einigen Jahren wird nun auch hier bei uns in Deutschland die Frühkastration bei Hunden praktiziert. Glaubt man den Worten derer, die diesen Eingriff vor der Geschlechtsreife empfehlen und praktizieren, so soll er einen noch besseren Schutz vor Erkrankungen wie z.B. Mamatumoren bieten. Verschwiegen bleibt jedoch zu oft, dass Hunde, die in einem solch zarten Alter kastriert werden, in ihrer Entwicklung so enorm beeinträchtig werden, dass sie sowohl körperlich als auch geistig nie die Reife eines erwachsenen Hundes erreichen.

Wir möchten an dieser Stelle klarstellen, dass es sich in unserem Fall keineswegs um bedingungslose Gegner der Kastration handelt. Auch wollen wir diejenigen, die die Kastration schon jahrzehntelang routinemäßig praktizieren, nicht an den Pranger stellen. Unser Beweggrund zur Eröffnung einer gesonderten Rubrik zum Thema Kastration von Hunden besteht vielmehr darin, dass die Kastration zunehmend als lapidarer und unter dem Aspekt der menschlichen Bequemlichkeit selbstverständlich legitimer Eingriff dargestellt und betrachtet wird. Mit den nachfolgenden Beiträgen möchten wir zur Diskussion und sorgfältigen Information anregen und erreichen, dass die Kastration mit allen ihren Risiken und Nebenwirkungen als das wahrgenommen wird, was sie ist: Eine Amputation nach § 6 Tierschutzgesetz, für die es einer tiermedizinischen Indikation bedarf und deren Durchführung ausschließlich dem Wohle des Tieres dienen soll.

Es wünscht Ihnen eine interessante und zur Diskussion anregende Unterhaltung,
Ihr Team von Hund und Halter e.V.

Von den Texten von Frau Dr. Niepel und Frau Dr. Quant stelle ich Auszüge ein,
die vollen Texte sind sehr lang, lohnen sich aber, sie zu lesen, was
auf den Seiten von Hund und Halter e.V. getan werden kann/sollte.

Auszug von Frau Dr. Niepel's Text

Gedanken zur Frühkastration der Hündin

Der gegenwärtig zu beobachtende Trend der Frühkastration von Hündinnen muss als besorgniserregend betrachtet werden. Nicht nur, weil solche Hündinnen nie richtig erwachsen werden können und den Schub Richtung reifen Erwachsenenverhaltens, der in der Pubertät ansteht, nicht bekommen, sondern auch aus handfesten medizinischen Gründen.

Wer allein wegen der Unannehmlichkeiten in der Läufigkeit seine Hündin kastrieren lässt, dem ist erstens zu entgegnen, dass er sich tierschutzwidrig verhält, und zweitens, dass er mit einem Stoffhund wohl besser beraten wäre. Zum Lebewesen Hund gehören auch sein geschlechtsspezifisches Verhalten, die Stimmungsschwankungen bei hormonellen Veränderungen und seine Veränderung im Wesen, wenn er pubertiert und langsam erwachsen wird. Wer diesen Weg nicht mit seiner Hündin mitgehen will - der sollte auf das Halten eines Hundes besser verzichten.

Oberstes Entscheidungsprinzip in der, Frage der Kastration sollte das Wohl des Hundes sein. In jedem Einzelfall ist zu klären, ob eine Kastration vielleicht angebracht wäre. Nur eine feste Regel kann man Hündinnenbesitzer an die Hand geben: Wenn Sie kastrieren lassen wollen - bitte warten Sie ab, bis Ihre Hündin das erste Mal läufig gewesen ist, und danach noch gute zwei Monate mit der Operation.

Frühkastration - ja oder nein?

Was spricht für die gegenwärtig zunehmende Praxis einer frühen Kastration vor Eintritt der Geschlechtsreife? Die Frage ist schnell beantwortet: Gar nichts - weder bei Rüden noch bei Hündinnen. Denn der einzige Vorteil für die Hündinnen, der in der erwiesenen Reduktion des Mammatumorrisikos besteht, wird angesichts der gegebenen Wahrscheinlichkeit dieser Erkrankung und der möglichen Nachteile mehr als aufgehoben.

   Und wer als Rüdenbesitzer glaubt, sein Rüde würde erst gar kein "lästiges" Rüdenverhalten wie Markieren, Streunen, Besteigen und Mackerverhalten gegen andere Rüden an den Tag legen, wenn er ihn vor der Pubertät kastriert, dem ist zu sagen, dass dieser Glaube leider in verschiedenen Studien widerlegt worden ist. Die Chance einer Verhaltensänderung zum Positiven ist nicht vom Alter bei der Kastration und der Dauer der gezeigten Verhaltensprobleme abhängig.

Um diesen Befund erklären zu können, muss man die im Vergleich zur Hündin anders ablaufende hormonelle Entwicklung des Rüden berücksichtigen: Es ist keineswegs so, dass Rüden eben in der Pubertät den entscheidenden Testosteronschub bekommen, danach die oft unerwünschten männlichen Verhaltensweisen entwickeln, woraus dann der Schluß gezogen wird, man müsse den Rüden eben vor diesem Testosteronschub kastrieren, dann entwickelten sich die Verhaltensweisen erst gar nicht so dramatisch. Falsch!

Über Legalität und Illegalität der Kastration

Zum Schluss noch ein Hinweis: Die Kastration eines Hundes ist keine Kleinigkeit, sondern gilt nach deutschem Tierschutzrecht als Amputation. Eine Amputation kann man nicht einfach nach Lust und Laune durchführen, sondern es bedarf einer medizinischen Indikation. Diese ist selbstverständlich bei akuten Erkrankungen wie einer Gebärmutterentzündung oder Hodenkrebs gegeben. Frühkastrationen organisch gesunder Hunde kann man mit gutem Willen als gesundheitliche Vorsorge ansehen - zumindest so lange, wie mögliche gesundheitliche Negativwirkungen entweder nicht erforscht sind oder, was hier eher der Fall zu sein scheint zu wenig bekannt sind.

Bedenkt man das Indikationsrisiko bei kastrierten Hündinnen jedweden Alters, stellt sich aber die Frage, ob Kastration als reine Prophylaxemaßnahme tatsächlich eine eindeutige medizinische Indikation ist. Wenn man sich dann nochmals Zahlen von Studien vor Augen hält, wonach ein Großteil der Rüden aufgrund von Verhaltensproblematiken kastriert wird, so fragt man sich, wie es da um die Legalität bestellt ist. Bedenkt man ferner, wie groß der Anteil der Hunde ist, die aus Bequemlichkeitsgründen der Halter kastriert worden sind, so muss hier klar festgehalten werden: Eine Erleichterung der Haltung allein ist kein unerlässlicher Grund für eine Kastration. Ist der Anlass für eine Kastration das Vermeiden von Nachwuchs oder Läufigkeit, so handelt es sich nicht um eine medizinische Indikation, sondern nur um eine die Haltung des Tieres erleichternde Maßnahme. Als Konsequenz müsste die Kastration in diesem Fall abgelehnt werden.

Handeln Tierärzte noch gemäß des geltenden Tierschutzrechtes, wenn sie Hündinnen kastrieren, weil den Haltern die Läufigkeit ihrer Hündin lästig ist, und wenn sie Rüden kastrieren, weil ihre Halter sie erzieherisch nicht in den Griff bekommen? Viele Hundehalter lassen - streng genommen - ihren Hund illegal kastrieren, was den meisten Hundehaltern aber nicht bewusst sein dürfte, da sie die entsprechenden Bestimmungen in der Regel kaum kennen und sich voll und ganz auf ihren Tierarzt verlassen. Der mag sich auf die Ausschlussklausel berufen, wonach eine Amputation zur Verhinderung unkontrollierter Fortpflanzung erlaubt ist.

Nur: Wer allen Ernstes behauptet, dass eben diese unkontrollierbare Fortpflanzung nur durch Kastration zu verhindern sei, der muss sich die Frage gefallen lassen, wie viel er von Hundehaltung und Hundeverhalten versteht. Wir haben es hier mit einer Grauzone zu tun, die offenbar nicht weiter diskutiert wird. Selbst wenn man die Ausnahmeklause von § 6 Tierschutzgesetz großzügig auslegen will und so die Kastration normaler Haushunde in Familien als gedeckt ansieht - ein schaler Beigeschmack bleibt.

Die Kastration bedeutet eine Amputation und steht, vom Gesetz hergesehen, damit in einer Reihe mit dem Kupieren von Ohren und Ruten. Die Rechtmäßigkeit von Kastrationen müssen im Einzelfall Gerichte prüfen. Verwertbare Urteile dazu sind im Moment nicht bekannt.

Quelle: Dr. Gabriele Niepel - info@hundeschule-niepel.de , entnommen aus DER HUND vom 09.01.2003. Wir danken der Autorin sowie dem Bauernverlag für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung.

Anmerkung: Hervorhebungen im Text durch kursive Schreibweise wurden vom Verein Hund und Halter e.V. vorgenommen.

Ein Auszug des Textes von Frau Dr. Quandt, der Text ist sehr aufschlussreich
und lang aber man sollte ihn sich zu gemühte führen


Kastration als Lösung von Verhaltensproblemen beim Rüden?

Von Dr. Christiane Quandt, verhaltenstherapeutisch arbeitende Tierärztin, Fredersdorf bei Berlin

Die Kastration ist auch bei weitem kein Allheilmittel für Verhaltensprobleme

Die Auswirkungen sind viel enger begrenzt, als gemeinhin angenommen wird. Eine Kastration ersetzt nicht die richtige Sozialisation, Erziehung und verhaltensgerechte Haltung des Hundes. Sie ersetzt, wenn erst einmal Probleme aufgetreten sind, auch selten eine Verhaltenstherapie. Sie kann sich aber im Einzelfall für das betroffene Tier und dessen gesamte Umgebung sehr positiv auswirken, wenn sie nach sorgfältiger Diagnosestellung erfolgt.

Noch mehr Auszüge von Frau Dr. Quandt würde den Text "zerreisen" und man könnte
vieles Missverstehen, daher bitte ich Sie, sich den Text im Ganzen auf den
Seiten von Hund und Halter e.V. durch zu lesen.